Kunst im Schloss

Das römische Dreifiguren-Tondo
In den südlichen Arkaden des Schlosshofes findet sich ein Familienmedaillon aus dem 2. Jahrhundert. Dargestellt sind zwei bärtige Männer und in der Mitte eine Frau mit Lockenwülsten und Zöpfen, einem Häubchen, zwei rundstabigen Halsringen und einem Schulterumhang. Das Tondo ist vermutlich der Rest eines Aufsatzes eines sogenannten Grabaltars. Es dürfte in der Nähe des Schlosses aufgefunden worden sein, liegt doch Puchberg an der ehemaligen Römerstraße, die von Wels, Ovilava, Richtung Fraham im Eferdinger Becken führte und somit die Verbindung zur "Limesstraße" an der Donau darstellte.

Löwen
Die beiden liegenden Löwen aus grobkörnigem Konglomerat im Eingang zum Schlosshof stammen aus der Barockzeit. Sie dürften um 1710 vom Steinbildhauer Johann Felix Trentini geschaffen worden sein.

Steinskulptur von Hubertus Mayr im Schlosshof
Begegnung, die begeistert!
Unter diesem Leitgedanken unseres Bildungshauses entstand im letzten dreiviertel Jahr durch den Steinkünstler Hubertus Mayr aus Pfarrkirchen eine Steinskulptur, die am Sonntag, 11. Oktober 2015 vor dem Schlosshof enthüllt und gesegnet wurde.

Mag. Hubert Mayr, Bildhauer im Spannungsfeld von Kunst und Religion, geb. 1948 in Pfarrkirchen bei Bad Hall, Landmaschinenschlosserlehre, Matura am „Francisco Josephinum“ für Landtechnik in Wieselburg, Theologiestudium in Wien, Univ. Ass. und religionspädagogische Lehrtätigkeit, zuletzt viele Jahre an der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz, ab 1985 erste Versuche an Steinen, erster Bildhauerkurs 2001 im Schloss Puchberg bei Lioba Leibl aus München, zahlreiche Aufträge und Ausstellungen, u.a. auch in Puchberg, gegenwärtig bis zum Nationalfeiertag im Botanischen Garten in Linz. Zudem erfreut er uns mit seiner musikalischen Begabung in vielen Gottesdiensten in unserer Kapelle.
Publikation: Hubertus Mayr, Faszination Skulptur, Linz 2013.
www.hubertusmayr.eu


Brunnen
Der barocke Brunnen im Schlosshof von 1740 zeigt den römischen Meeresgott Neptun mit dem gabenspendenden Kind, den beiden Delphinen und dem Wappen mit dem Kamel, dem Wappentier der Seeauer, die von Hallstatt kommend 1641-1767 Besitzer des Schlosses waren. Ein weiterer Wappenstein der Seeauer befindet sich in den Arkaden gegenüber dem Brunnen.

Sgrafitti
Der für die gegenwärtige Gestalt des Schlosses wichtigste Eigentümer war der Waffentechniker Dr. Alfred von Jurnitschek. Nachdem er 1877 das Schloss erwarb, ließ er es durch den Münchner Architekten Christian Lothary zusammen mit dem Welser Mauerermeister Josef Weixelbaumer mit Formen französischer Frührenaissance umgestalten. Die Sgraffiti im Schlosshof mit den Drachen, dem Wappen von Jurnitschek, den Obstgehängen und den vier Landsknechtfiguren wurden 1878 vom Wiener Maler Heinrich Irmann entworfen. Sie zählen zu den schönsten in Österreich.

Spiegelsaal 
Unter Alfred Jurnitschek wurde der Spiegelsaal durch die umfangreichen Stuckarbeiten des Wiener Ringstraßenkünstlers Reinhard Völkel ab 1877 neu gestaltet. Über den acht großen Spiegeln finden sich vor dem Fenster auf Stoff gedruckte Orden, die sich Jurnitschek aus ganz Europa verleihen ließ. Vom Wiener Maler August Eisenmenger stammen die großen Gemälde, über den Eingängen zwei Göttinnen, Fortuna und Justitia, an der Decke die jahreszeitlichen Freuden des Landlebens, dazu acht kleinere Putten-Bilder von August George-Mayer. Als besonderes Schmuckstück des Saales gilt die reich verzierte französische Uhr von Balthazard, Paris, die bereits 1795 nach Österreich gekommen sein soll. Daneben befinden sich zwei aufwendige Kandelaber mit in Bronze gegossenen Nymphen als Lichtträgerinnen.
(Quelle: W. Aspernig, W. Buchner, K. Holter: Geschichte des Schlosses Puchberg, Linz 1990)

Kapelle
Von November 1981 bis Mai 1983 hat die Künstlerin Lydia Roppolt (geb. 1922 in Moskau, gest. 1995 in Wien, Atelier in Oberwang/OÖ) die Unterkirche umgestaltet. Der damalige Rektor Karl Wild hat die Künstlerin gebeten, die Kapelle mit "herrlichen, leuchtenden Farben, mit vielen Farben, so viele es überhaupt gibt" zu gestalten. "Die Unterkirche muss so werden, dass sie jeden Besucher, der hineinkommt, gefangen nimmt zum Meditieren, zum Beten zwingt, Freude bringt, ihn mit Freude überschüttet. Wer hineinkommt, muss spüren: Hier wohnt Gott, hier ist Himmel. Wer kann solche Farben hineinzaubern? Die Lydia! Sie kann das!" In einem Brief vom 25. Oktober 1982 beschreibt Lydia Roppolt ihr Konzept: "Diesen Raum, den ich bemalen durfte, ist auf eine Naturlandschaft ausgerichtet. Alles Licht kommt aus der Natur, die im Wechsel der Jahreszeiten die Wunder der Schöpfung vergegenwärtigt. In den drei Spiegelfeldern der Decke versuche ich in malerischen Flächen und sensiblen Linien einen Hymnus auf den allmächtigen Schöpfer zu singen, zu dem sich unsere Gesichter dankbar erheben ... Das Antlitz des menschgewordenen Gottessohnes und die Gestalt der Muttergottes neigen sich aus der Region des Lichts herab und treten schützend zwischen uns. So hätte ich gemeint, dass man Geborgenheit in dieser Kapelle hätte finden können."
Am 3. November 1983 wurde sie durch Diözesanbischof Maximilian Aichern eingeweiht.

Tuch vor Kapelle
Lydia Roppolt, die Künstlerin unserer Kapelle, hat 1983 ein großes Tuch (260 x 260cm) gestaltet, das ursprünglich als textiler Vorhang hinter dem Altar das Gegenlicht mildern sollte. Um den Blick auf den Teich und die Natur unverstellt zu ermöglichen, ist das Tuch nun zwischen den beiden Kapelleneingängen angebracht. Es zeigt die vom Himmel herabkommende Gnade Gottes in den lebendigen Farben rot und grün.

Toledo-Zimmer 
Irma Rafaela Toledo (1910-2002) hat uns ihr Hauptwerk "Genesis-Zyklus" mit zehn großen Bildern als Dauerleihgabe überlassen. In der künstlerischen Interpretation des Schöpfungsaktes hielt sich Toledo weder an die biblischen sieben Tage noch an deren thematische Zuordnung. In zehn Bildern charakterisiert sie die Phänomene des Ursprungs und des Werdens. Die Schöpfung als großes Geheimnis wird offenkundig, jedoch nicht enträtselt.
Irma Rafaela Toledo wurden 1910 als Irma Friedmann in Laufen/Bayern geboren. Eine Freundin gab ihr wegen ihres südländischen Aussehens und in Anspielung auf Grillparzer "Die Jüdin von Toledo" den Namen Toledo, den sie später als Künstlernamen wählte.
Toledo fand im Malen ihre Form der "Vergangenheitsbewältigung", nach Jahren der Angst und Bedrohung als Jüdin. Durch die nationalsozialistische Rassenverfolgung verlor sie den Großteil ihrer Familie. Nur ein Bruder hat diese Zeit überlebt, 39 Familienmitglieder sind in den Vernichtungslagern umgekommen. Sie überlebte als Gattin eines "arischen" Soldaten und schließlich im Versteck bei Bauern am Schlenken südlich von Salzburg.

Josef Fischnaller
Der Bildhauer und Maler Josef Fischnaller (1927-2006) war mit seiner Familie mit dem Bildungshaus eng verbunden. Vor allem drei Werke sind es, die jedem Gast begegnen: Das „Gespräch“ in der Eingangshalle, der „Hl. Franziskus“ im Gang zum Speisesaal und die „Madonna mit Kind“ vor der Kapelle. In seinem 1990 erschienen Buch mit Autobiographie und vielen Abbildungen seiner Werke schreibt er: „In mehr als dreißigjähriger Arbeit habe ich erkannt, wie sehr die Kunst meine Hingabe an Gott und den Menschen gleichermaßen vertieft“ und berichtet von einer intensiven, mystischen Gotteserfahrung am 1. Mai 1978. Von 19. April bis 11. Mai 2008 fand in unserem Bildungshaus die letzte, große Ausstellung seiner Werke unter dem Titel „Gott, da bin ich“ statt.

"Christkönig"-Fenster von Rudolf Kolbitsch
Ein Wettbewerb für die Ausgestaltung der Kapellenräume führte zur abstrakten Gestaltung der Betonglaswand im heutigen Festsaal zum Thema "Christkönig", Psalm 72,8: "Er herrscht von Meer zu Meer, vom Strom bis an der Erde Grenzen."
Das Fenster ist eine großartig durchherrschte Ordnung von Farbe und Bewegung.
(aus dem Buch: Rudolf Kolbitsch: Graphik und Malerei)

Trinität von Rudolf Kolbitsch
Rudolf Kolbitsch gestaltete drei kleine Scheiben, die die Zeichen der Trinität beinhalten, und einfach in vorhandene Fenster mit Ausblick in die Natur gehängt werden sollten.
Als besonderes Beispiel sei auf das Gottvaterfenster mit der Schöpferhand in rotem Kreis auf blauem Grund verwiesen, darunter erscheint aus rotem Überfangglas herausgeätzt das erste Menschenpaar in Verbindung mit dem Pflanzen- und Tierreich, den ganzen Kosmos stellvertretend. Auch die beiden anderen Scheiben wirken besonderes ansprechend durch die klare Zeichenhaftigkeit, die keine Rätsel aufgibt und durch die künstlerische Bewältigung jede Banalität ausschließt.
(aus dem Buch: Rudolf Kolbitsch: Graphik und Malerei)

Die Schöpfung
Die Leinwand an der Stirnseite des mittleren Speisesaals mit dem Titel „Die Schöpfung“, der Entwurf für ein Glasfenster in der Pfarrkirche von Dietach bei Steyr 1981/82, zeigt die von oben herabkommende Hand Gottes, die den noch schlafenden Menschen berührt. Die Taube stellt die Sendung des Heiligen Geistes im Vorgang der Schöpfung dar. Der Entwurf stammt von Rudolf Kolbitsch, der auch das große Glasfenster im Festsaal gestaltet hat.

 

"Ich bin der ich bin" von Josef Wintersteiger
Anlässlich der Errichtung des Glas-Foyers 2002 wurde der Steyrer Künstler Magnus Wintersteiger eingeladen, das Dach des Foyers künstlerisch zu gestalten. Er hat mit dem Schriftzug „Ich bin der ich bin“ die Offenbarung des Gottesnamens an Moses aus dem brennenden Dornbusch (Ex 3,14) gewählt und damit eine überraschende Schnittstellt zu den Zielen des Bildungshauses, die Würdigung und Stärkung der Persönlichkeit des Menschen, gefunden. Programmatisch wird damit oben auf dem Dach die finale Perspektive unseres Hauses deutlich: Mensch und Gott gehen ineinander über.

Gemälde in den Schlossgängen
Im gesamten Gebäude des Bildungshauses finden sich unzählige Kunstwerke von Eva Meloun, Karin Hehenberger, Ursula und Paul Wijnants, Rudolf Kaufmann, Lydia Roppolt, Karl Odorizzi (siehe Abb.), Josef Fischnaller, Hans Wulz, Werner Augustiner, Bernhard Wosien, Fritz Wotruba, Guido Martini, Gerlinde Merl, Lydia Buchegger, Helmut Laimer, Herbert Friedl, Kurt Zisler, Christian Koller, die Bosna-Quilts im Großen Speisesaal, die große Bibel von Gerhard Heinrich Brücker und das Tuch von Lydia Roppolt vor der Kapelle u.v.a.m.

Altartücher von Alfred Graf, 1996
Wachs und Asche auf Baumwolle
Die Tücher entstanden in einer Werkphase in der ich mich mit Energieströmen beschäftigte. Am Anfang wichtiger Arbeiten nehme ich mir oft eine Auszeit zur Meditation oder Einstimmung, um Energie zu schöpfen und meine ganze Aufmerksamkeit auf die folgende Tätigkeit zu richten. Diesmal schlief ich dabei ein. Zum ersten Mal.
Im Aufwachen hatte ich dann ein Bild vor Augen, das mich mit starker Euphorie erfüllte. Ströme von Punkten, die sich weiten und verdichten. Sie symbolisieren unsere fünf Sinne, die wir analog zu dem Gleichnis der fünf Jungfrauen klug oder töricht einsetzen können. Die, die sich bewusst am Energiestrom aus der Urquelle ausrichten, handeln klug und im Einklang mit dem universalen Geist. Sie haben das notwendige Öl für das innere Licht, das ihnen in dunklen Stunden Sicherheit gibt.
Wachs nährt wie das Öl die Flamme (Licht). Asche bleibt als Rückstand beim Verbrennen und bildet gleichzeitig den Nährboden für neues Leben. So sind auch die verwendeten Materialien konzeptuell in den Meditations-, Überlegungs- und Entstehungsprozess eingebunden.
Alfred Graf, www.alfredgraf.com

1958 geboren in Feldkirch; 1979-84 Akademie der bildenden Künste, Wien;
zahlreiche Stipendien und Preise, Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in Österreich, Deutschland, Schweiz, Italien, Frankreich, Israel, Griechenland, Ungarn, Tschechien, Polen, Großbritannien, Irland, Malta und den USA,
Kataloge: Essenz der Landschaft 2012; Uni ver sal mus eum 2011; Sylt 2008; Die Landschaft blieb bei mir...2004; Reiseskizzen 2001; Die Welt Stück für Stück 1998; Archipelago (mit Thomas Joshua Cooper) 1995; Callanish 1992
Videos: Universalmuseum: www.youtube.com/watch
Essenz der Landschaft: www.youtube.com/watch

Madonna mit Kind
Der Leiter des "Beratungszentrums für LehrerInnen und Schule" an der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz Dr. Christoph Freudenthaler, hat dem Bildungshaus eine Madonna mit Kind geschenkt: 117 x 52 x 30 cm, Lindenholz, vermutlich 18. Jhdt. Wir haben für Maria und Jesus einen passenden Platz im 2. Stock des Schlosses gefunden. So ist ein weiterer spiritueller Ort entstanden. 
Wir sind über das Geschenk sehr erfreut und danken Dr. Christoph Freudenthaler herzlich für seine Großzügigkeit! Sie möge ihm zum Segen werden. 

Skulptur beim Teich
Um die Straße am Schlossteich zu sichern, haben wir am 26. Mai 2011 eine Granit-Skulptur von Gabriele Berger aufgestellt. Die Skulptur trägt den Titel: "Ostern. Der Stein ist weg, das Grab ist leer".
Gabriele Berger, geboren 1955 in Wien, wohnhaft in Aigen/Schlägl hat an der Universität Salzburg, am Mozarteum Salzburg und an der Hochschule für Gestaltung in Wien studiert, viele Projekte realisiert, u.a. die Taufstelle in der Welser Pfarre St. Franziskus, und an vielen nationalen und internationalen Ausstellungen teilgenommen.